Montag, 12. Oktober 2009

Eine kleine Gesichte

Hallo.

Heute poste ich eine Kurzgeschichte, die ich eben geschrieben habe.
Einen Titel hat sie noch nicht. Aber brauch jede Geschichte einen Titel? Manche Titel sind wirklich schön. Ich nehm manchmal ein Buch nur in die Hand, weil es einen so schönen Titel hat. Ich sollte mir einen überlegen. Jede Gesichte braucht ihre Überschrift.
Viel Spaß.
Nach langem Überlegen habe ich mich für einen Titel entschieden. Ich hoffe er gefällt euch und ihr habt Gefallen an der Geschichte.


Er warf mir ein Lächeln zu.

Aus dem Saal schallte tosender Applaus zu uns auf die Bühne hinauf. Unser Dirigent ließ uns alle noch einmal aufstehen, wie wir es schon mindestens viermal gemacht hatten. Er verbeugte sich, wir applaudierten uns gegenseitig für dieses wundervolle Konzert.
Es war ein unbeschreibliches Gefühl auf der Bühne zu stehen, das Instrument noch in der Hand und auf die Menschenmenge zu gucken, die alle nur hier waren, um uns zu hören.

Nach und nach erstarb der Applaus und die Leute verließen den Saal. Wir waren schon längst hinter Bühne, packten unsere Instrumente ein, sammelten unsere restlichen Utensilien ein.
Freudig erregt sprachen alle durcheinander. Der Abend wurde kurz analysiert. Das Ergebnis malte jedem ein Lächeln ins Gesicht. Mit hocherhobenen Köpfen machten wir uns auf den Weg.

Ich traf mich mit einer Freundin, die das Konzert gesehen hatte. Sie umarmte mich und schwärmte von den schönen Stücken, die wir gespielt hatten. Wir diskutierten, welches Stück das Beste war, welches uns nicht so gut gefallen hatte.

Als wir am Gleis standen holte Cora den Sekt hervor. Ich öffnete ihn und trank den ersten Schluck. Er prickelte. Ich strahlte und reichte die Flasche an sie weiter. Es würde noch eine wundevolle Nacht werden.

Unser Ziel war die Dorfdisco. Natürlich wurde sie oft verspottet, es war halt nur eine kleine Disco mit unbekannten Djs, aber ich liebet sie. Ich fühlte mich in keiner anderen Disco so wohl wie hier. Doch auch hier hieß es offiziell „Eintritt erst ab 18“. Für mich war das kein Problem, ich war 18. Nur Cora war erst 17.

„Ist das ´90 oder ´92?“ Der Türsteher holte seine kleine Taschenlampe hervor und studierte den Perso ganz genau. „Ist ´92.“, antwortete Cora und hielt ihre Hand für den Stempel hin. Der Türsteher hatte immer noch ihren Perso, schaute sie an. Sie bekam den Stempel.
„Nächstes Mal musst du dir Falten aufmalen.“ Flachste einer der Männer, der bei dem Türsteher stand. Ich erkannte ihn. Er war lange Zeit auch einer der Türsteher gewesen. Da hatte er immer ganz böse geguckt, als ob man etwas angestellt hätte. Jetzt lächelte er mich an.

Wir standen draußen. Ich schüttelte den Kopf „Wieso hat der denn nach dem Perso gefragt, wenn er dich eh reinlässt?“ Laura meinte nur, so würde sie es immer machen. Ich lachte und machte „Pscht, pscht.“ Von der Seite kam ein „Pscht“ zurück. Der ehemalige Türsteher ging an uns vorbei, schenkte mir ein Lächeln.

Er sah gut aus in seinem weißen Hemd und der perfekt sitzdenen Jeans. Er war bestimmt schon Ende 20, zu alt? Das könnte ich herausfinden. Er war attraktiv. Er war heiß. Ich hatte unglaublich gute Laune, ich hatte Lust ein bisschen unanständig zu sein.

Wir saßen in der Sitznische neben der großen Bar. Ich wollte unbedingt tanzen. Doch Cora durchkreuzte meine Pläne. Die Tanzfläche war noch leer. Für mich kein Problem, irgendjemand musste immer anfangen. Aber sie wollte nicht.
„Dann lass uns wenigstens noch was trinken.“ Ich erntete einen fragenden Blick. Noch vor einer Minute hatte ich ihre Frage nach einem Bier abgelehnt. Ich liste zur Bar. Sie verstand und grinste. „Bier?“ fragte ich. „Bier.“

Ich stellte mich lässig an die Bar und bestellte zwei Bier. Der Mann neben mir drehte sich um, als er meine Stimme hörte. Es war der Türsteher im weißen Hemd. Ich lächelte, nahm meine Bestellung entgegen und ging wieder zu meiner Freundin. Ich spürte, wie sein Blick mir folgte und er an meinen langen Beinen hing. Ich setzte mich. „Er guckt immer noch.“

Ich quengelte solange, bis Cora endlich nachgab und wir uns auf die Tanzfläche begaben. Es tanzten auch schon ein paar Vereinzelte. Wir nahmen den Rhythmus auf und bewegten uns zu der Musik. „Dein Türsteher starrt dich an.“ Cora lachte. Ich blickte mich um, entdeckte ihn und warf ihm ein spitzbübisches Lächeln zu. Er lächelte zurück.

Wir tanzten eine Weile, tranken dann etwas, schnappten frische Luft, lachten, redete, hatten unseren Spaß. Immerwieder begegnete uns „mein“ Türsteher, wie Cora ihn getauft hatte. Aber mehr als Blickkontakt gab es nicht. Ich traute mich nicht. Ich war ihm bestimmt zu jung, war nur ein kleiner Flirt.

Salsarhythmen erklangen. Wir verzogen uns von der Tanzfläche und überließen den Könnern den Platz. Mehrere Paare wirbelten herum. Und mittendrin – mein Türsteher mit dem weißen Hemd und einer bezaubernden Dame. Nein, sie war hässlich, aber für ihn war sie wohl bezaubernd. Er drehte sie, hatte sichtlich Spaß. Den ganzen Abend hatte er nicht getanzt. Aber jetzt, bei diese blöden Salsanummer. Warum konnte ich kein Salsa tanzen?

Mein Laune war getrübt, ich versuchte es mir nicht anmerken zu alssen. Was kümmerte es mich mit wem er tanzte? Ich kannte ihn noch nicht einmal. Er war nur irgendein Kerl, der zwar gut aussah, aber anscheinend einen schlechten Geschmack was seine Tanzpartnerwahl anging.

Ich war enttäuscht.
Ich wollte ihn.
Noch immer.

Ich setzte wieder ein Lächeln auf, zog Cora mit auf die Tanzfläche, sobald das Lied verstummt war und ein Poplied erklang. Ich tanzte. Bewegte mich unauffällig auf ihn zu. Kam ihm näher. Wollte, dass er mich bemerkte, dann mit mir tanzte.
Er ging. Verließ die Tanzfläche.
Ich gab mein bestes, mir nichts anmerken zu lassen. Tanzte weiter. Lächelte weiter.

Es wurde spät und Cora wollte nach Hause. Die Musik war nicht mehr so bombe, die meisten Leute waren betrunken. Es war ein guter Moment um zu gehen. Eigentlich.
Ich wollte wenigstens einmal mit ihm sprechen, seinen Namen erfahren, ihn keck anlächeln und ihm einen verführerischen Blick zu werfen.
Ich sah mich um, suchte ihn, fand ihn nicht.

Wir holten unsere Jacken bei der Garderobe ab und gingen nach draußen. Vielleicht war er hier? Suchend schaute ich die Menschen an. Auch hier war er nicht. Cora drängelte, ihr war kalt.

Ein letzter Blick. Kein weißes Hemd, kein Türsteher. Nichts. Er war weg.

- Based on a true story -

Mehr will ich heute nicht sagen. Es sind genug Worte, die die Basis meiner derzeitigen Gedanken und Emotionen bilden.

Liebste Grüße
Lola